Nobody Saves the World – Test, Rollenspiel, PC, Xbox Series X



Wandlungsfähiges Abenteuer

Bei Nobody Saves the World handelt es sich um ein Action-Rollenspiel, bei dem ihr das Geschehen aus der Vogel-Perspektive erlebt. In ganz groben Zügen erinnert diese Ansicht an Klassiker wie The Legend of Zelda: A Link to the Past, auch wenn der Grafikstil ein völlig anderer ist. Als Held dient nicht etwa ein glorreicher Kämpfer, ein mysteriöser Auserwählter oder gar ein junger Recke, in dem irgendwelchen magischen Kräfte schlummern. Nein, der Held von Nobody Saves the World wirkt auf den ersten Blick ebenso unscheinbar wie kümmerlich. Es ist ein androgynes, humanoides Wesen, das nicht gerade den Eindruck erweckt, für große Taten bestimmt zu sein. Doch der erste Blick täuscht – und zwar gewaltig. Denn dieser Ansatz ist ebenso interessant wie reizvoll und eröffnet gleichzeitig die eigentliche Grundidee des Spiels: Nobody ist im Besitz eines Zauberstabs, mit dessen Hilfe er sich in zahlreiche Formen verwandeln kann. Diese muss er zwar zunächst freischalten, doch danach steht der Transformation auf Knopfdruck nichts mehr im Wege. Der Clou dabei: Die Verwandlung ist nicht nur optischer Natur, sondern hat direkte Auswirkungen auf die Spielweise. Wenn ihr euch beispielsweise in eine kleine Ratte verwandelt, könnt ihr besonders enge Passagen durchqueren, die euch ansonsten versperrt gewesen wären. Der gut gepanzerte Ritter ist ein Meister des Nahkampfs und lässt mächtige Schwerthiebe vom Stapel, während das kleine Mädchen dank Pfeil und Bogen lieber aus der Distanz agiert.

Das Design von Nobody Saves The World ist gleichermaßen farbenfroh wie skurril.

Neben solch eher klassischen Formen stehen auch einige deutlich skurrilere Gestalten zur Auswahl. Oder könnt ihr euch daran erinnern, in einem anderen Spiel schon mal als Bodybuilder aufgetreten zu sein, der seine Gegner mit einer riesigen Hantel attackiert? Spätestens hier kommt der typische Humor des Entwickler-Teams von DrinkBox Studios zum Vorschein. Bei den Verwandlungen macht sich übrigens auch der Rollenspiel-Touch von Nobody Saves the World bemerkbar. Sobald ihr eine neue Form freigeschaltet habt, beginnt diese quasi auf Stufe 1 und euch stehen lediglich zwei Standardattacken zur Verfügung. Je länger ihr jedoch in einer Gestalt spielt, Monster tötet und Quests absolviert, desto mehr steigt ihr im Level auf und schaltet auf diese Weise nicht nur passive Boni, sondern auch mächtige Spezialangriffe frei. Es lohnt sich daher, abseits der Hauptroute die Augen nach Nebenaufgaben offen zu halten. Dieses Verwandlungsprinzip ist eine der größten Stärken von Nobody Saves the World, da es nicht nur eine allerdings etwas. Doch sobald ihr eine handvoll Gestalten freigeschaltet habt, macht es extrem viel Spaß, diese in verschiedenen Situationen auszuprobieren.

Die Tücken der Freiheit

Die Figuren, denen Nobody begegnet, sind zwar sympathisch, doch die Story  hat Luft nach oben.

Die Figuren, denen Nobody begegnet, sind zwar sympathisch, doch die Story hat Luft nach oben.

Allerdings sind die Verwandlungen gleichzeitig auch mit einigen Kritikpunkten verknüpft. Einer davon: Die Verwandlung läuft über ein Menü ab, aus dem ihr die gewünschte Form wählt. Dies erfolgt zwar glücklicherweise als Overlay, so dass ihr das Spielgeschehen nicht aus den Augen verliert. Allerdings pausiert dieses nicht, sondern läuft munter weiter, während ihr eure Wahl trefft. Das kann in den ohnehin mitunter sehr temporeichen Kämpfen für zusätzliche Hektik sorgen. Eine automatische Pause wäre zumindest als optionale Funktion wünschenswert gewesen.

Das bringt mich zu den Kämpfen und dem eigentlichen Spielgeschehen von Nobody Saves the World. Wie es sich für ein zünftiges Action-Rollenspiel gehört, kämpft ihr euch sowohl auf der großen Oberwelt als auch in den prozedural generierten Dungeons durch zahlreiche Monsterhorden. Das geht in den meisten Fällen sehr locker von der Hand und macht auch dank der Verwandlungen richtig Laune. Mitunter haben die Monster bestimmte Anfälligkeiten, die durch ein Symbol oberhalb ihres Kopfes angezeigt werden. Dann ist es an euch, die richtige Gestalt zu finden, um sie besiegen zu können. Außerdem trefft ihr immer wieder auf Bossgegner, die etwas schwieriger zu knacken sind und entsprechend etwas anspruchsvoller sind. Gutes Stichwort: Der Anspruch von Nobody Saves the World schwindet mit zunehmender Spieldauer etwas. So abwechslungsreich die grundlegende Spielidee auch sein mag, auf Dauer lässt sich ein gewisses Gefühl der Monotonie nicht von der Hand weisen.

Ja, wo ist er denn?

Mit zig Gegnern auf dem Bildschirm kann die Übersichtlichkeit leiden.

Mit zig Gegnern auf dem Bildschirm kann die Übersichtlichkeit leiden.

Glücklicherweise gibt es abseits der Kämpfe einiges zu entdecken, was vor allem in puncto Skurrilität kaum zu überbieten ist. Ein gutes Beispiel hierfür sind die oftmals abgedrehten NPCs, mit denen ihr Kontakt habt und für die ihr Aufgaben erledigen müsst. Wie wäre es mit einem sprechenden Hammer samt Augen und Mund? Auch das ist wieder der typisch Humor von DrinkBox Studios, der dem Spiel seine charmant-überdrehte Note verpasst.

Das führt mich direkt zur Grafik des Spiels. Der Stil erinnert in den Grundzügen an die Guacamelee-Titel und erweckt immer wieder den Eindruck von handgezeichneten Figuren und Schauplätzen. Alles ist bunt, schräg und teilweise absichtlich übertrieben animiert oder inszeniert. Einerseits sorgt das für einen willkommenen frischen Wind im heutigen Grafik-Einheitsbrei. Andererseits hat es leider auch einen großen Nachteil: Vor allem im späteren Spielverlauf tummeln sich zahlreiche Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm, so dass ihr in dem ganzen Effekt-Kuddelmuddel schnell mal den Überblick verliert. Das gilt insbesondere dann, wenn ihr euch gerade in einer eher kleinen Gestalt wie etwa der Ratte befindet. Das ist beim (spaßigen) Koop-Modus für zwei Spieler übrigens besser gelöst, denn dort prangt stets ein farbiges Symbol über den Köpfen der Charaktere. Warum gibt es also keine entsprechende Option für den Solo-Modus?